Interview, 1. Teil
Hier der erste Teil zu dem Interview, das ich gegeben habe, zum Anlass meines fast einjährigen Jubiläums bei meinen Zweibeinern. Erschienen in der »WuffBild, der Zeitschrift für den modernen Hund«, Ausgabe 12/08.
Frage: Herr Balu oder soll ich Sie Blue Sky nennen?
Balu: Nein, nein, nennen Sie mich ruhig Balu. Das ist mein Rufname. Manchmal höre ich auch darauf.
Frage: Gut. Nun, Herr Balu, Sie sind jetzt schon seit fast einem Jahr bei Ihren Zweibeinern. Wie gefällt es Ihnen dort?
Balu: Na ja, inzwischen eigentlich ganz gut. Ich glaube, ich habe meine zwei Zweibeiner ganz gut im Griff. Sie spuren zwar noch nicht ganz so, wie ich will, aber das wird schon.
Frage: Was heißt inzwischen? Hat es Ihnen am Anfang nicht gefallen?
Balu: Nicht ganz so gut. Als die beiden mich abholten, war alles so neu und die beiden auch ziemlich unsicher. Sie wussten, glaube ich, gar nicht so recht, was sie mit mir anfangen sollten. Mir ging es da ähnlich, ich war ein großes Rudel gewöhnt, sowohl von uns Hunden, als auch an Zweibeinern, und auf einmal war ich mit den beiden Fremden ganz alleine. Sehr schwierig.
Frage: Das heißt, man hat Sie einfach aus Ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen?
Balu: Ja, klar. Einfach so. Am Anfang habe ich es auch gar nicht so mitbekommen. Wissen Sie, ich bin sehr neugierig und da fand ich es spannend, bei der fremden Tante auf dem Arm, in diesem komischen fahrenden Vehikel – die Zweibeiner nennen es, glaub ich, Auto –, aber als ich dann registriert habe, dass ich nicht mehr zurück konnte, hab ich mich schon gewehrt. Hat aber nix genutzt.
Frage: Das haben Sie einfach so geschehen lassen?
Balu: Was sollte ich denn machen? Damals war ich ja noch ein kleiner Welpe, gerade mal 9 1/2 Wochen alt. Da hat hund nicht wirklich die Möglichkeiten bei der Pfote, um sich zu wehren.
Frage: Und wie ging es dann weiter?
Balu: Ach eigentlich eher unspektakulär; ich bin eingeschlafen …
Frage: Wie, einfach so?
Balu: Ja, einfach so. Ich habe mich eine Zeit lang gewehrt und wollte runter und raus und wieder zurück zu den anderen, aber die haben mich nicht gelassen, und da bin ich vor lauter Anstrengung eingeschlafen.
Frage: Also, ich verstehe das richtig, man Sie einfach entführt?
Balu: Entführt? Ich weiß nicht so genau. Die beiden haben gesagt, dass sie mich von meiner Züchterin Elisabeth gekauft haben und außerdem sind sie ja eigentlich auch ganz lieb zu mir.
Frage: Eigentlich …?
Balu: Ja, ich darf manchmal nicht so wie ich will, aber spätestens, wenn ich mein Frauchen Gabi ganz lieb anschaue, wird sie weich und ich kriege meinen Willen. Bei meinem Herrchen Jörg ist das nicht ganz so einfach, er tut zwar immer so, als wäre er strenger, aber spätestens, wenn ich mich mit einem Spielzeug im Maul vor ihn hinstelle, krieg ich ihn rum.
Frage: Aha, also typische Zweibeiner. Wie ging es denn damals weiter?
Balu: Ja, also, wir sind eine ganze Zeit lang in diesem Auto gefahren, mein jetziges Herrchen sagt, er wäre auch ganz langsam gefahren, wobei ich nicht weiß, was das heißt. Irgendwann haben wir dann vor einem Haus angehalten und wir sind alle zusammen ausgestiegen. Da ich den Rest der Fahrt fast durchgeschlafen hatte, weiß ich nicht mehr genau, wie lange es gedauert hat. Auf jeden Fall hatte ich dann erst mal Kohldampf. Meine beiden neuen Zweibeiner haben mir dann aber auch direkt was zu fressen gegeben. Dann war das schon OK und ich habe mich besser gefühlt.
Frage: Naja, das ist ja schon mal was. Wie ging es dann weiter?
Balu: Nach dem kleinen Erholungsschlaf und der Mahlzeit war ich dann auch wieder gestärkt und habe dann erst mal die neue Umgebung erkundet. Den Garten, das Haus, war ja alles neu für mich. Herrchen und Frauchen waren die ganze Zeit da und haben mich nicht in Ruhe erkunden lassen. Ich glaube, sie waren damals viel aufgeregter als ich. War schon ein bisschen nervig …
Frage: Gut, kann Hund aber auch verstehen, oder?
Balu: Oh ja, sicher. Ich bin schließlich ihr erster Hund. Ich musste ihnen dann auch erst zeigen, was sie alles zu beachten haben.
Frage: Und wie läuft’s heute? Ist es besser geworden?
Balu: Oh ja, viel besser. Die beiden sind inzwischen zu meinem Rudel geworden. Ich wünschte mir zwar manchmal, es wäre etwas größer. Die beiden alleine sind auf Dauer doch etwas langweilig, aber ich habe ja noch meine Freundin Luna in Herrchens Büro, ihre Zweibeiner und natürlich noch Oma und Opa.
Frage: Ah, es gibt noch mehr Rudelmitglieder?
Balu: Ich würde eher sagen Teilzeitrudelmitglieder. Wenn ich mit Herrchen morgens ins Büro fahre, dann gehe ich erst mal zu Herrchens Eltern, ich nenne sie Oma und Opa. Sie sind, glaube ich, schon etwas älter. Dort frühstücke ich erst mal mit den beiden in Ruhe. Das ist dann mein zweites Frühstück. Bei denen darf ich dann auch viel mehr als bei Herrchen und Frauchen. Oma und Opa freuen sich immer, wenn sie mich sehen.
Wenn ich genug und meine Runde im Garten fertig habe, geht’s zu Herrchen ins Büro, dort warten dann schon Luna und ihre beiden Zweibeiner auf mich. Luna ist eine zwölfjährige Hundedame, von Herrchens Kollegin, mit der ich noch ganz toll spielen und toben kann. Leider hat sie irgendwann genug von mir und schläft dann erst mal eine Runde.
Frage: Na, das hört sich doch gar nicht so schlecht an. Sie sind also nie alleine?
Balu: Nein. Obwohl meine beiden Zweibeiner – ich glaube, sie nennen das »voll berufstätig« sind –, ist immer mindestens einer von beiden da. Und dann sind ja auch noch die anderen da.
Frage: Das ist ja prima. Wie sieht’s denn mit Unterricht aus. Sie sind ja inzwischen alt genug. Machen Sie da was?
Balu: Ja, natürlich. Im Moment gehen meine Zweibeiner und ich möglichst zweimal die Woche zum Unterricht. Das heißt, das stimmt nicht ganz, im Moment ist leider Winterpause. Aber bis dahin sind wir doch sehr regelmäßig gegangen. Uns dreien macht das auch sehr viel Spaß.
Frage: Haben Sie da bestimmt Ziele? Irgendwelche besondere Leistungen?
Balu: Nein, ich eigentlich nicht. Herrchen und Frauchen lassen es auf sich zu kommen, sagen sie immer. Solange wir alle Spaß daran haben, wollen Sie mit mir dahin gehen und vielleicht auch ein bisschen Hundesport machen. Unsere Trainerinnen Angelika und Helene machen das auch ganz toll, sagen die beiden. Aber das wird das nächste Jahr zeigen, sagen sie. Wenn’s nach mir ginge, würde ich am liebsten mit den anderen toben, darf ich da aber nicht. Finde ich echt doof. Statt dessen machen wir so was wie »Gehorsamsübungen«, wo ich mich ganz doll auf Herrchen oder Frauchen konzentrieren soll …
Frage: Das klappt nicht?
Balu: Doch, eigentlich schon. Ich kann das schon, aber ich würde halt lieber mit den anderen Hunden spielen, darf aber eben nicht. Gut, den Agility-Teil finde ich da schon besser. Wenn wir da an die Geräte gehen, kann ich es gar nicht mehr abwarten und bin dann schon ganz ungeduldig bis ich dran bin …
Frage: Wartezeiten sind natürlich langweilig …
Balu: Ja, sehr, das lässt sich aber manchmal nicht verhindern. Ich bin dann trotzdem immer ganz aufgeregt, so dass ich von meinen beiden Zweibeinern immer wieder zurückgerufen werden muss. Manchmal sind sie auch sauer, weil ich über die Stränge schlage, sagen sie. Dabei will ich doch bloß alles richtig machen.
Frage: Ja, die Zweibeiner verstehen einen nicht immer …
Balu: Ja, das ist wahr. Aber ich verstehe die Zweibeiner auch nicht immer. Ich sage Ihnen, das ist nicht immer einfach mit denen.
Frage: Ja, das stimmt, das kenne ich. Es ist jetzt aber schon spät geworden. Wenn Sie erlauben, Herr Balu, würde ich unser Interview gerne zu einem späteren Zeitpunkt fortsetzen.
Balu: Sie haben recht, es wird jetzt auch langsam Zeit für mein Abendessen, Sie wissen ja, wir Labis haben immer Hunger.
Frage: Das stimmt allerdings. Dann danke ich Ihnen erst einmal und wünsche Ihnen einen guten Appetit. Bis später dann mal.
Balu: Ja, danke, bis später dann.
