Calming Signals

Calming Signals sind sogenannte Beschwichtigungssignale, mit denen wir Hunde uns untereinander verständigen. Wir benutzen sie auch Menschen gegenüber und werden dabei leider oft missverstanden. Viele Signale besitzen, wie zum Beispiel das Gähnen, mehrere Bedeutungen. So kann es bedeuten, dass wir Hunde uns mit dem Gähnen beruhigen und Spannungen abbauen wollen. Es kann aber auch sein, dass ein Gähnen einfach nur ein Gähnen ist. Die Signale sind also immer im Kontext zu sehen und wenn Ihr uns ein bisschen beobachtet, werdet Ihr schnell sehen, wann wir was machen.
Im Folgenden habe ich Euch ein paar Beschwichtigungssignale zusammengestellt und kurz beschrieben. Die Liste ist natürlich nicht komplett und wer weiteres Interesse daran hat, sollte mal in der Fachliteratur nachschlagen. Zum Beispiel bei
Turid Rugaas: Calming Signals – Die Beschwichtigungssignale der Hunde;
erschienen bei animal learn, Bernau, 2001, ISBN 978-3-936188-01-1.

Balu gähnt, weil Herrchen im zu nah auf die Pelle gerückt ist

Gähnen

Wenn wir gähnen, machen wir das meistens, um inneren Stress und Spannungen abzubauen. Wir gähnen zum Beispiel, wenn wir beim Tierarzt im Wartezimmer sitzen, wenn uns ein Kind wild umarmen will oder einfach nur, wenn wir aufgeregt sind, weil Ihr Zweibeiner wieder so lange braucht, um Euch zum Spaziergang fertigzumachen. Wir gähnen auch, wenn ihr uns zu nahe kommt und wir uns unwohl fühlen.

Wedeln

Natürlich wedeln wir Hunde häufig mit dem Schwanz, wenn wir uns freuen. Das ist aber nicht immer so. Wir wedeln auch, wenn wir uns und/oder andere beschwichtigen wollen. Zeigen wir zum Schwanzwedeln noch weitere Signale wie Ohren anlegen, winseln, langsame Bewegungen etc., dann hissen wir gewissermaßen die »weiße Fahne«. Das hat dann allerdings nichts mit einem schlechten Gewissen zu tun, sondern wir wollen Euch beschwichtigen, damit Ihr wieder gut zu uns seid.

Balu züngelt, weil er fotografiert wird

Nase lecken/züngeln

Wenn wir Hunde uns mit der Zunge schnell die Lippen oder Nase lecken, machen wir das, weil Ihr Zweibeiner Euch frontal über uns beugt oder uns verärgert ansprecht oder eben ein Knipsedings direkt auf uns richtet. Wir wollen Euch damit beschwichtigen und gutmütig stimmen.

Sich abwenden

Wenn wir Hunde uns abwenden und Euch oder unseren Artgenossen die Flanke oder das Hinterteil zuwenden, wollen ein stark beschwichtigendes Signal aussenden. Dieses Verhalten zeigen wir in der Regel, wenn das Spiel uns zu wild wird, wenn jemand zu schnell und zu stürmisch auf uns zu gerannt kommt, oder auch wenn sich erwachsene Hunde von Welpen und Junghunden genervt fühlen. Wenn ihr mit uns schimpft und wir drehen uns weg, ignorieren wir Euch nicht, sondern versuchen gerade Euch zu beschwichtigen.

Balu ist in der Bewegung erstarrt, weil er einen Hund gesehen hat, den er beschwichtigen will

Erstarren/Einfrieren

Manchmal erstarren wir Hunde in stehender, sitzender oder liegender Haltung. Wir frieren unsere Bewegung schlichtweg ein. Das machen wir immer dann, wenn wir einen Konflikt vermeiden möchten, der durch schnelle Bewegungen ausgelöst wurde. Das kann passieren, wenn sich zwei Rüden begegnen, oder auch, wenn Ihr uns voller Zorn ein Kommando gebt. Wir verharren dann stocksteif, bis sich die Situation entspannt.

Langsame Bewegungen

Da langsame Bewegungen weniger bedrohlich wirken als schnelle Bewegungen, verlangsamen wir Hunde manchmal unsere Bewegungen, wenn wir zum Beispiel andere Hunde treffen, oder wenn wir den Eindruck haben, Ihr Zweibeiner seid wieder gereizt oder ärgerlich. Auch damit versuchen wir Euch und andere Hunde zu beschwichtigen.

Hinsetzen

Wenn wir Hunde uns hinsetzen und Euch dabei auch noch den Rücken zudrehen, wollen wir auch beschwichtigen. Wenn wir auf das Kommando »Sitz« hören, Euch dabei aber den Rücken zudrehen, ignorieren wir Euch nicht, sondern das Kommando war uns vielleicht zu aggressiv. Auch wenn wir anderen aufgeregten Hunden begegnen, kann es sein, dass wir uns hinsetzen, um dem anderen zu zeigen: »schau mal, ich bin ganz friedlich, komm mal wieder runter«.

Balu liegt platt auf dem Boden, weil er wieder einen Hund beschwichtigen will

Hinlegen

Hier müssen wir unterscheiden, ob wir Hunde uns auf den Rücken legen, oder auf dem Bauch liegen bleiben. Wenn wir uns auf den Rücken legen und still liegen bleiben, kann dies bedeuten, dass wir uns unterwerfen.
Legen wir uns aber auf den Bauch, dann wollen wir auch wieder beschwichtigen. Dann kann es sein, dass uns der Trubel um uns herum einfach zu viel wird und wir ein bisschen Ruhe und Ordnung schaffen wollen.

Am Boden schnüffeln

Natürlich schnüffeln wir Hunde gerne und viel auf dem Boden herum. Schließlich lieben wir es, die Gerüche um uns herum aufzunehmen. Allerdings benutzen wir das Schnüffeln auch häufig als Beschwichtigungssignal. Wir wenden es in der Regel an, wenn wir problematischen Situationen aus dem Weg gehen wollen. Manchmal kommen wir auch schnüffelnd auf Euch zu, wenn Ihr uns ruft. Das machen wir dann, um Euch zu beschwichtigen.

Sam wendet sich ab, weil er genug von Balu hat

Den Kopf abwenden

Wenn wir Hunde den Kopf wegdrehen, machen wir das meistens, weil uns ein Kollege gegenübersteht, ihr Zweibeiner uns zu nah gekommen seid, Ihr uns zu sehr anstarrt, oder Ihr gerade ein Knipsedings auf uns richtet. In solchen Situationen fühlen wir uns oft nicht wohl und wollen es dadurch zeigen.

 

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